Knie oder Handgelenk? Typische Verletzungen beim Skifahren und Snowboarden

27. Jan, 2026

Wintersport, ob Skifahren oder Snowboarden, zählt zu den beliebtesten Aktivitäten im Winter. Eine umfassende Nationale Grundlagenstudie der Deutschen Hochschule Köln zeigt, dass Skifahren nach wie vor die beliebteste Wintersportart ist: Rund 30% der Deutschen fahren Ski (Alpin), während etwa 11% mit dem Snowboard auf den Pisten unterwegs sind. Ob auf zwei Brettern oder einem Board – sowohl Skifahren als auch Snowboarden ziehen jedes Jahr Millionen von Menschen auf die Pisten. Dabei gilt: Skifahren bleibt die dominierende Form des alpinen Wintersports, während die Snowboard-Community kleiner, aber umso enthusiastischer ist und diese Sportart insbesondere wegen ihres speziellen Fahrgefühls und Lifestyles schätzt.1

Aufgrund der teilweise hohen Geschwindigkeiten, der von der Schwerkraft getriebenen Fortbewegung und der komplexen Bewegungen sind beide Sportarten jedoch auch mit einem relevanten Verletzungsrisiko verbunden. Zahlreiche Studien zeigen, dass sich die Verletzungsmuster zwischen Skifahren und Snowboarden deutlich unterscheiden. Während beim alpinen Skisport Verletzungen der unteren Extremitäten, insbesondere des Kniegelenks, im Vordergrund stehen, sind beim Snowboarden häufiger die oberen Extremitäten betroffen. Die Schwere der erlittenen Verletzungen ist allerdings in beiden Sportarten ähnlich.2

Skisport: Mehr Verletzungen und häufigere Kollisionsunfälle im Vergleich zum Vorjahr

In der Saison 2023/2024 nahm die Zahl der Verletzten beim Skifahren erneut zu und erreichte wieder das Niveau der Vor-Corona-Saison. Hochgerechnet mussten rund 46.000 bis 48.000 Personen aufgrund von Verletzungen ärztlich behandelt werden. Aber: Langfristig betrachtet geht es bei der Unfallprävention in die richtige Richtung: die Unfallhäufigkeit ist seit der ersten ASU-Erhebung in der Saison 1979/80 um über 50% gesunken!3

Das Risiko für stationäre Behandlungen blieb beim Skifahren mit 1,73 pro 1.000 Personen im Vergleich zur Vorsaison stabil, das entspricht hochgerechnet etwa 7.200 bis 7.300 stationären Behandlungen.3 Knieverletzungen stellten weiterhin die häufigste Verletzung dar, dabei ist die Ruptur des vorderen Kreuzbands die häufigste und klinisch bedeutsamste Knieverletzung.2 Danach folgen Verletzungen im Bereich Schulter und Oberarm.3

Besonders auffällig ist der anhaltende Anstieg von Kollisionsunfällen, die inzwischen 21 % aller Skiverletzungen ausmachen.2

Snowboarden: Weniger Knieverletzungen, aber vergleichbare Verletzungsschwere

Beim Freizeit-Snowboarden ist das Risiko für Knieverletzungen deutlich geringer als beim alpinen Skisport; sie treten etwa nur halb so häufig auf. Als Ursache gelten unter anderem die nichtauslösbaren Bindungen, die isolierte Rotationsbelastungen im Knie verhindern. Dadurch kommt der zentrale Verletzungsmechanismus beim Skifahren beim Snowboarden kaum zum Tragen.2

Demgegenüber treten beim Snowboarden Verletzungen der oberen Extremitäten, insbesondere an Handgelenk und Schulter, häufiger auf als beim Skifahren. Dies ist vor allem auf den typischen Sturz mit Abstützen nach vorne oder hinten zurückzuführen. Trotz der geringeren Häufigkeit von Knieverletzungen ist die Verletzungsschwere insgesamt beim Snowboarden vergleichbar. Am Knie dominieren Innenbandverletzungen (MCL), während Verletzungen des vorderen Kreuzbands (VKB) deutlich seltener auftreten als im alpinen Skisport.2

Das vordere Kreuzband – die häufigste Knieverletzung beim Skifahren

Beim Skifahren ist das Knie die am häufigsten verletzte Körperregion; die häufigste und zugleich klinisch bedeutsamste Knieverletzung ist dabei mit 15–21 % aller Verletzungen die Ruptur des vorderen Kreuzbands (VKB). VKB-Verletzungen entstehen im alpinen Skisport überwiegend durch nicht kontaktbedingte Mechanismen, bei denen Valgusbelastungen des Kniegelenks mit Rotationskräften des Unterschenkels eine ungünstige Verbindung eingehen. Dabei spielt die Hebelwirkung des Skis eine zentrale Rolle, über die externe Kräfte auf das Knie übertragen werden können, insbesondere bei blockierenden oder verkanteten Skiern.2

Unfallmechanismus beim Skifahren: Durch schnellere Skitypen ist heute der Vorwärtsdrehsturz die häufigste Ursache für Rupturen des vorderen Kreuzbandes. (Grafik aus der Originalstudie von Rauch 2022 unverändert übernommen auf Basis der Creative Commons Licence 4.0 International)

Deutlich weniger Kreuzbandverletzungen beim Snowboarden

Im Gegensatz zum alpinen Skisport zeigen sich beim Snowboarden andere typische Muster von Knieverletzungen. Durch die Fixierung beider Beine auf einem gemeinsamen Board sind Kreuzbandverletzungen deutlich seltener, während Verletzungen des medialen Kollateralbands (Innenband) häufiger beobachtet werden. Diese Verschiebung des Verletzungsmusters wird auf die reduzierte relative Rotation der unteren Extremitäten und die damit geringere Torsionsbelastung des Kniegelenks zurückgeführt. Insgesamt treten beim Snowboarden Knieverletzungen seltener auf und folgen anderen biomechanischen Belastungskonstellationen als beim alpinen Skisport.2

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Prävention im alpinen Skisport und beim Snowboarden

Aus den beschriebenen Verletzungsmechanismen lassen sich gezielte präventive Maßnahmen für den alpinen Skisport und das Snowboarden ableiten:

  • Beim Skifahren stehen sowohl die Reduktion ungünstiger Valgus- und Rotationsbelastungen des Kniegelenks als auch eine optimierte neuromuskuläre Kontrolle im Vordergrund, da die meisten Verletzungen ohne Fremdeinwirkung entstehen.2 Es kann davon ausgegangen werden, dass ein kontrollierter Fahrstil mit stabiler Beinachse und guter neuromuskulärer Kontrolle sicherlich auch zur Reduzierung des Verletzungsrisikos beitragen kann.
  • Für das Snowboarden ergeben sich präventive Ansätze insbesondere aus den sportartspezifischen biomechanischen Besonderheiten. Die Fixierung beider Beine auf einem gemeinsamen Board reduziert zwar Rotationsbelastungen des Kniegelenks, dennoch bleibt eine ausreichende neuromuskuläre Kontrolle entscheidend, um ungünstige Belastungssituationen zu vermeiden. Zudem wird unterstrichen, dass ein angepasstes Fahrverhalten und die Berücksichtigung individueller Belastungsgrenzen zur Reduktion kniebezogener Verletzungen beitragen können.2

Fazit

  • Beim alpinen Skisport ist das Kniegelenk die am häufigsten verletzte Körperregion, wobei die Ruptur des vorderen Kreuzbands die häufigste und klinisch bedeutsamste Knieverletzung darstellt.
  • Beim Snowboarden hingegen treten Knieverletzungen insgesamt seltener auf; hier dominieren andere Verletzungsmuster, insbesondere Verletzungen der oberen Extremitäten. An den unteren Extremitäten handelt es sich meist um Innenbandverletzungen.

Quellenangaben

1 Nationale Grundlagenstudie der Deutschen Sporthochschule Köln: Wintersport Deutschland 2018

2 Rauch, A. Wintersportverletzungen am Kniegelenk. Orthopädie 51, 870–881 (2022). https://doi.org/10.1007/s00132-022-04317-7

3 ASU Unfallstatistik 2023/2024. ASU Unfallstatistik 2023/2024 - DSV aktiv

Copyright-Hinweis

Die in der Bloggrafik dargestellten prozentualen Verteilungen der Verletzungsregionen beim Snowboarden (z. B. hoher Anteil der oberen Extremitäten und Handgelenksverletzungen) basieren auf aggregierten epidemiologischen Daten aus Wintersport-Unfallstatistiken und entsprechen den typischen Mustern, wie sie in versicherungsbezogenen und notfallmedizinischen Erhebungen beobachtet werden. Im Journal-Beitrag von Alexander Rauch (2022) sind zwar qualitative Aussagen über Verletzungen beim Snowboarden enthalten, aber keine expliziten prozentualen Verteilungen nach Körperregion.

Grafiknachweis: Grafik @ Good_Stock / Shutterstock.com

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