Optimale Spitzfußstellung - das A und O bei der konservativen Therapie von Achillessehnenrupturen
28. Apr, 2025
Lange Zeit ging man davon aus, dass es bei chirurgisch versorgten Achillessehnenrupturen (ASR) seltener zu einem wiederholten Riss kommt, während konservativ behandelte ASR mehr Komplikationen nach sich ziehen. Dieser Ansatz gilt heute aufgrund verschiedener Publikationen als überholt. So hat ein systematischer Review aktueller Studien (1) gezeigt, dass es keine signifikanten Unterschiede in der Rerupturrate zwischen den beiden Behandlungsarten gibt, sofern eine funktionelle Rehabilitation der ASR durchgeführt wurde. Die nichtoperative funktionelle Behandlung von ASR hat daher mittlerweile weiter an Bedeutung gewonnen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der sogenannten Spitzfußstellung zu. Wie diese am optimalsten erreicht wird, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Spitzfußstellung ist nicht gleich Spitzfußstellung
Warum ist eine optimale Spitzfußstellung während des Heilungsprozesses so entscheidend? Sie sorgt dafür, dass die Sehnenenden zusammenwachsen können und eine Sehnenverlängerung verhindert wird. Eine verlängerte Sehne (mehr als 10 mm wird als klinisch signifikante Verlängerung bezeichnet) ist meist die Folge einer unzureichenden Spitzfußstellung und führt zu schlechteren funktionellen Ergebnissen. Aber: Spitzfußstellung ist nicht gleich Spitzfußstellung! Zu diesem Ergebnis kommt eine englische Studie (2), in der untersucht wurde, ob bei der Verwendung verschiedener Orthesen eine unterschiedliche Spitzfußstellung erreicht werden kann.
Vergleich verschiedener Methoden zur Herstellung einer Spitzfußstellung
Um zu untersuchen, mit welchen medizinischen Hilfsmitteln eine optimale Spitzfußstellung am besten erreicht werden kann, analysierten Ellison und Kollegen in der vorliegenden retrospektiven Analyse die Röntgenaufnahmen von 10 Patienten, die in einer britischen Spezialklinik (Trauma and Orthopaedic Department, University Hospital Aintree, Liverpool, UK) konsekutiv mit insgesamt 11 Achillessehnenrupturen behandelt wurden.
Alle Patienten wurden zunächst für 2 Wochen in einem Gipsverband in Spitzfußstellung immobilisiert. Anschließend trugen die Patienten für 8-10 Wochen zwei verschiedene Orthesen: Eine Gruppe (5 Patienten) trug eine nicht verstellbare Fußorthese mit Fersenkeilen, deren Höhe schrittweise von 10 auf 2 cm reduziert werden konnte. Die anderen 5 Patienten trugen einen VACOped, eine Orthese mit definierter Bewegungsfreigabe (ROM-Orthese). Die Kontrollgruppe bestand aus 10 zufällig ausgewählten Röntgenaufnahmen gesunder Sprunggelenke.
Ziel der Untersuchung war es, anhand von standardisierten, lateralen Röntgenaufnahmen des Fußes die Winkel zwischen Sprunggelenk und Fuß zu messen und herauszufinden, welche der beiden gängigen Orthesen eine bessere Spitzfußstellung erzeugen kann. Zu diesem Zweck wurden folgende Werte gemessen: der tibiotalare Winkel (TTW) und der Talus-Metatarsale-1-Winkel (TM1W). Die Daten wurden mit Hilfe der Software SPSS, Version 20.0 (IBM Corp., Armonk, NY) ausgewertet.
Abb.: Es konnte gezeigt werden, dass durch eine ROM-Orthese (links im Bild) eine Spitzfußstellung erzielt werden konnte. Eine nichtverstellbare Orthese mit Fersenkeilen (rechts im Bild) erzielte keine klinisch relevante Spitzfußstellung.
Ergebnisse
In der Kontrollgruppe (10 gesunde Personen ohne Gips/Orthese) wurde ein mittlerer TTW (tibiotalarer Winkel) von 25° und ein mittlerer TM1W (Talus-Metatarsale-1-Winkel) von 24° gemessen.
In der Initialphase mit Gipsverband in Spitzfußstellung (2 Wochen) wurde bei allen 10 Patienten mit ASR ein mittlerer TTW von 56° und ein mittlerer TM1W von 74° erfasst.
In der anschließenden Orthesenphase wurden die 10 Patienten in zwei Gruppen eingeteilt:
Die Patienten mit nicht einstellbarer Orthese und Fersenkeilen erreichten einen mittleren TTW von 28° und einen mittleren TM1W von 37°, was einem erhöhten, aber nicht signifikant höheren Wert im Vergleich zur Kontrollgruppe entspricht.
Die Patienten, die eine ROM-Orthese in Spitzfußposition trugen, zeigten signifikant höhere Werte im Vergleich zur Kontrollgruppe, der Orthesengruppe mit Fersenkeilen: einen mittleren TTW von 48° (Bereich 43° bis 45°) und einen mittleren TM1W von 54° (Bereich 47° bis 57°).
Fazit
- Die vorliegende Studie hat gezeigt, dass mit Hilfe einer ROM-Orthese ein signifikant größerer Beugewinkel im Sprunggelenk erreicht werden kann – im Vergleich zu einer Fersenkeil-Orthese.
- Die Fersenkeil-Orthese erreichte im Vergleich zur ROM-Orthese nicht nur geringere Winkel, sondern schien die Spitzfußposition nicht durch eine Flexion im Sprunggelenk zu erzielen, sondern hauptsächlich durch eine Flexion im Mittelfußbereich.
- Die Autoren raten daher zur Vorsicht bei der Verwendung von Fersenkeil-Orthesen, da es unwahrscheinlich ist, dass eine ausreichende Spitzfußposition und damit eine Annäherung und Heilung der Sehnenenden erreicht werden kann.
Die Ergebnisse unterstreichen, dass die ROM-Orthese besser geeignet zu sein scheint, die notwendigen biomechanischen Bedingungen für die Heilung der Achillessehne zu schaffen, insbesondere in konservativen Behandlungsschemata.
Abkürzungen
TTW = Tibiotalarer Winkel
TM1W = Talus-Metatarsale-1-Winkel
Quellenangaben
- Holm C, Kjaer M, Eliasson P. Achilles tendon rupture – treatment and complications: a systematic review. Scand J Med Sci Sports. 2015 Feb;25(1):e1-10. doi: 10.1111/sms.12209. Epub 2014 Mar 20. PMID: 24650079.
- Ellison, P., Molloy, A. & Mason, L. W. (2017). Early Protected Weightbearing for Acute Ruptures of the Achilles Tendon: Do Commonly Used Orthoses Produce the Required Equinus? The Journal Of Foot & Ankle Surgery, 56(5), 960–963. doi.org/10.1053/j.jfas.2017.06.017