Von der Versorgungslücke zur DiGA: Wie die Reha-App Mawendo entstand

12. Mai, 2026

Sechs Einheiten Physiotherapie – für viele Patientinnen und Patienten endet die Nachbehandlung genau an diesem Punkt. Andere warten wochenlang auf Termine und müssen lange Anfahrtswege zur Praxis auf sich nehmen. Ein weiteres Problem ist die kurze Behandlungsdauer: Übungen können nicht vollständig durchgeführt werden und es fehlt die Zeit, sie für zu Hause ausreichend zu erklären. Der langfristige Behandlungserfolg hängt aber maßgeblich davon ab, wie konsequent und strukturiert Patientinnen und Patienten ihre Rehabilitation zu Hause weiter umsetzen können.

Vom Versorgungsproblem zur digitalen Lösung

Aus dieser Versorgungslücke entstand im Jahr 2013 die Idee für ein digitales Therapieprogramm für zu Hause. Die drei Gründer, Dr. Daniel Wagner sowie Johannes und Michael Merg, wollten gut strukturierte und evidenzbasierte Nachbehandlungsprogramme für Patientinnen und Patienten digital verfügbar machen, um die Physiotherapie in der Praxis mit Übungen für zu Hause zu ergänzen. Im Podcast-Interview „Kurz vor OP“ berichtet Dr. Daniel Wagner, wie sich die Idee weiterentwickelt hat und wie es letztendlich zur Beantragung und Zulassung der DiGA Mawendo, einer digitalen Gesundheitsanwendung, kam. 

Was nämlich zunächst mit einzelnen Übungen für verschiedene Krankheitsbilder begann, entwickelte sich rasch zu einem umfassenden Programm für eine digital begleitete Physiotherapie. Alle Inhalte basieren auf evidenzbasierten Studien und Leitlinien. Didaktisch aufbereitete Gesundheitsinformationen ergänzen diese und unterstützen Patientinnen und Patienten im Umgang mit ihrer Erkrankung oder Verletzung.

Der Weg zur marktfähigen Anwendung von Mawendo war jedoch lang: Allein die Entwicklung des ersten Prototyps dauerte rund zwei Jahre und erforderte intensive Recherchen, konzeptionelle Arbeit und zahlreiche Tests im klinischen Alltag.

Abb.: Eigenverantwortliches Training ist ein wichtiger Bestandteil des Rehaprozesses. Mit der DiGA Mawendo können Patientinnen und Patienten ein evidenzbasiertes Reha-Programm zu Hause absolvieren. Es unterstützt sie unabhängig von Ort und Zeit dabei, schnell und nachhaltig wieder fit und schmerzfrei zu werden.

Warum eine DiGA-Zulassung alles andere als einfach ist

Für die Gründer war der nächste logische Schritt, eine Zulassung von Mawendo als digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) zu beantragen. Allerdings unterliegen DiGAs, die als Medizinprodukte zugelassen sind, strengen regulatorischen Vorgaben. Neben technischen und datenschutzrechtlichen Anforderungen ist insbesondere der Nachweis eines medizinischen Nutzens entscheidend: Um in das DIGA-Verzeichnis aufgenommen zu werden, müssen DiGAs nicht nur mindestens gleichwertig zur Standardtherapie sein, sondern auch einen belegbaren Mehrwert bieten und zugleich Kosten sparen. Laut Dr. Wagner erfordert dies aufwendige Studien, hohe wissenschaftliche Standards und erhebliche finanzielle Investitionen.

Der Zulassungsprozess im Rahmen des DiGA-Verfahrens ist entsprechend komplex. Dazu kommt, dass das sogenannte „Fast Track“-Verfahren „in der Realität nicht wirklich so schnell geht, wie der Name es vermuten lässt“, so Wagner nicht ganz ohne Ironie. Parallel dazu stehen die Gründer vor der Herausforderung, ein finanziell tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Erst neue gesetzliche Rahmenbedingungen haben hier Perspektiven für eine breitere Nutzung eröffnet. Auch die anfänglichen Befürchtungen der Krankenkassen, die Kosten könnten durch DiGAs stark steigen, haben sich bislang nicht bewahrheitet. Bislang sind in Deutschland insgesamt rund 50 DiGAs zugelassen.

Gründung im Gesundheitswesen – nicht nur eine technische Herausforderung

Wie Dr. Wagner im Podcast berichtet, ist eine Unternehmensgründung im Gesundheitswesen nicht nur mit fachlichen und regulatorischen Hürden verbunden, sondern stellt auch eine emotionale Herausforderung dar. Die Verantwortung für Mitarbeitende, finanzielle Unsicherheiten und die parallele Ausübung der ärztlichen Tätigkeit führen zu einer hohen persönlichen Belastung. Rückschläge gehören zum Prozess: „Wir standen mehrfach kurz vor dem Abbruch, aber der Antrieb, die Versorgung nachhaltig zu verbessern, überwog dann doch die Zweifel“, so Dr. Wagner.

Trotz aller Herausforderungen zeigt das Beispiel Mawendo das Potenzial digitaler Lösungen. Diese können eine persönliche Therapie nicht ersetzen, aber sie sinnvoll ergänzen. Das ist insbesondere angesichts des Fachkräftemangels und der langen Wartezeiten wichtig. DiGAs können also dazu beitragen, Versorgungslücken zu überbrücken und Patientinnen und Patienten aktiver in ihre Behandlung miteinzubeziehen.

 

Über Mawendo

Dr. Daniel Wagner ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit einem besonderen Fokus auf Nachbehandlung und konservative Therapie. Seine Wurzeln liegen in der Sportmedizin, seine Arbeit ist geprägt durch eigene sportliche Erfahrungen sowie durch seine Tätigkeit in der Sportklinik Stuttgart und im Umfeld eines Olympiastützpunkts.

Gemeinsam mit Johannes und Michael Merg gründete Wagner im Jahr 2013 das Unternehmen Mawendo mit dem Ziel, evidenzbasierte Nachbehandlungsprogramme digital zugänglich zu machen. 

Im August 2023 wurde Mawendo dauerhaft in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen und in die Regelversorung überführt.

Seit 2025 gehört Mawendo zu OPED.

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