Achillessehnenruptur: Mit dem SMART-Protokoll optimale Ergebnisse erzielen – mit weniger Operationen

02. Jun, 2025

Anlässlich unseres „Global Achilles Day 2025“ hat Anne-Marie Hutchison* in ihrem Webinar das sogenannte „SMART-Protokoll“ zur Beurteilung und Behandlung von Achillessehnenrupturen vorgestellt. Mithilfe von SMART konnten an der Swansea-Morriston-Klinik in Südengland die Anzahl operativer Eingriffe und die Kosten drastisch gesenkt werden. Wichtig zu erwähnen: Die Verlagerung hin zur konservativen Therapie ging nicht mit einem Rückgang der funktionellen Ergebnisse einher. In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über das SMART-Protokoll und seine wichtige Rolle bei der Beurteilung und Behandlung von Achillessehnenrupturen.

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Auch wenn Achillessehnen die dicksten und stärksten Sehnen im menschlichen Körper sind, ereignen sich trotzdem relativ viele Achillessehnenrupturen (ASR). Die therapeutische Vorgehensweise ist weiterhin Gegenstand kontroverser Diskussionen, insbesondere im Hinblick auf die Wahl zwischen operativer und konservativer Behandlung. Das sogenannte SMART-Protokoll wurde 2008 an der Swansea-Morriston-Klinik in Südengland etabliert, mit dem Ziel, durch ein strukturiertes, interdisziplinäres Management mit standardisiertem Entscheidungsalgorithmus und Rehabilitation bessere klinische Ergebnisse bei reduzierten Kosten zu erzielen. SMART steht für Swansea Morriston Achilles Rupture Treatment und ist ein Teamprotokoll, das nicht nur Ärztinnen und Ärzte aus den Bereichen Chirurgie und Radiologie einschließt, sondern auch Pflegekräfte sowie Physiotherapeutinnen und -therapeuten.

2015 wurden dann die Erfahrungen mit dem SMART-Protokoll im Bone Joint Journal(1) veröffentlicht. Hutchison und Kollegen hatten dafür die Daten von insgesamt 273 Personen (58 Frauen und 215 Männer), die im Zeitraum von 2008 bis 2014 eine ASR erlitten hatten und nach SMART-Protokoll behandelt worden waren, ausgewertet. Auf Basis frühzeitiger, detaillierter Ultraschallbefunde wurden von den 273 Personen 211 konservativ und 62 operativ versorgt, alle wurden nach dem SMART-Protokoll nachbehandelt. Bedingungen für eine operative Behandlung waren ein Patientenalter unter 55 Jahren, eine vollständige Ruptur im Sehnenkörper und ein Abstand der Sehnenstümpfe >1 cm in Plantarflexion, was durch eine Ultraschalluntersuchung geklärt worden war. Die konservative Therapie kam bei allen übrigen Fällen zum Einsatz, einschließlich bei Leistungssportlern.

Gleiche Nachbehandlung nach operativer und konservativer Therapie

Die Nachbehandlung war identisch in beiden Gruppen und umfasste folgendes Rehabilitationsschema:

  • Behandlung in einer Achilles-Spezialklinik
  • Ultraschalluntersuchung
  • Verwendung funktioneller Orthesen
  • Frühzeitige Belastung mit progressiver Belastungssteigerung
  • Beschleunigtes Übungsprogramm
  • Richtlinien für die Rückkehr zur Arbeit und zum Sport

Die Wiederaufnahme des Sports wurde frühestens nach sechs bis acht Monaten empfohlen, unter Voraussetzung spezifischer funktioneller Tests (z. B. einbeiniger Zehenstand, Sprungtests).

Gute Outcomes und Kosteneinsparungen bei der konservativen Behandlung nach SMART

Die Ergebnisse zeigten eine außergewöhnlich niedrige Rerupturrate von nur 1,1% (3 von 273 Patienten), wobei zwei dieser Fälle auf Non-Compliance zurückzuführen waren. Funktionelle Outcomes, gemessen mittels Achilles Tendon Rupture Score (ATRS) und Mean Achilles Repair Score (AS), zeigten bereits vier Monate nach dem Trauma zufriedenstellende Werte (ATRS 53, AS 64,9), mit weiteren Verbesserungen nach sechs (ATRS 67,8, AS 73,8) und neun Monaten (ATRS 72,4, AS 72,3).

Die Einführung des SMART-Protokolls führte zu einer signifikanten Reduktion der operativen Eingriffe: Während 2008 noch nahezu 50% der Patientinnen und Patienten operativ versorgt wurden, sank dieser Anteil zwischen 2011 und 2013 auf etwa 6%. Dadurch konnten jährliche Kosteneinsparungen von über 91.000 £ erzielt werden – und das, obwohl zusätzliche Kosten für Ultraschalluntersuchungen und funktionelle Orthesen anfielen. Wichtig war, dass diese Verlagerung hin zur konservativen Therapie nicht mit einem Rückgang der funktionellen Ergebnisse einherging.

Abb.: In der Swansea-Morriston-Klinik in Südengland sank nach Einführung des SMART-Protokolls der Anteil der operativ behandelten Achillessehnenrupturen signifikant.

Komplikationen traten insgesamt bei 7,3% der Fälle auf, wobei 15 Personen eine tiefe Venenthrombose und fünf eine Lungenembolie entwickelten. Diese Inzidenz liegt im Bereich vergleichbarer Studien. Die Thromboseprophylaxe wurde selektiv durchgeführt – nur Patientinnen und Patienten mit Risikofaktoren erhielten niedermolekulares Heparin.

Die Betreuung erfolgte nahezu vollständig (97%) durch spezialisierte Physiotherapeutinnen und -therapeuten in einer dedizierten Achillessehnenklinik, wodurch Kontinuität, Patientenbindung und Compliance signifikant verbessert wurden. Orthopäden wurden nur bei Komplikationen hinzugezogen. Diese enge interdisziplinäre Zusammenarbeit war ein zentraler Erfolgsfaktor des Programms.

Fazit

  • Die Studie zeigte, dass ein strukturierter, evidenzbasierter Behandlungsansatz wie das SMART-Protokoll nicht nur zu hervorragenden klinischen Ergebnissen führt, sondern auch kosteneffizient ist.
  • Besonders hervorzuheben ist, dass auch Hochleistungssportler erfolgreich konservativ behandelt wurden, was die Effektivität und Sicherheit des Protokolls zusätzlich unterstreicht.
  • Das SMART-Protokoll ist damit ein beispielhaftes Modell für die moderne Behandlung der Achillessehnenruptur und bietet sich zur Implementierung in anderen Versorgungseinrichtungen an.

*Anne-Marie Hutchison, PhD, ist Consultant Physiotherapist an der Morriston-Klinik in Swansea, Süd-Wales, UK.

Quellenangabe

1) Hutchison AM, Topliss C, Beard D, Evans RM, Williams P. The treatment of a rupture of the Achilles tendon using a dedicated management programme. Bone Joint J. 2015 Apr;97-B(4):510-5. doi: 10.1302/0301-620X.97B4.35314. PMID: 25820890

Fotonachweis: Foto @ Master1305 / Shutterstock.com

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