Global Achilles Days 2025: Expertenrunde diskutiert die besten Therapieoptionen bei Achillessehnenrupturen

09. Sep, 2025

Anlässlich der „Global Achilles Days 2025“ diskutierten drei renommierte Fachleute in einem Roundtable-Gespräch mit dem Titel „The Consensus of ATR Treatment Options“ über aktuelle Behandlungsansätze bei Achillessehnenrupturen. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, wann eine konservative und wann eine operative Behandlung angezeigt ist. Einig waren sich die Expertinnen und Experten darüber, dass eine schnelle Diagnosestellung und ein sofortiger Therapiebeginn in jedem Fall entscheidend sind. An der Diskussion nahmen Dr. Karolien Schwagten, Fuß- und Sprunggelenkchirurgin an der Klinik AZ Groeninge in Belgien, sowie Phil Ellison, Physiotherapeut für die unteren Extremitäten in Saint Helens im Vereinigten Königreich, teil. Moderiert wurde das Gespräch von Prof. Dr. med. Hazibullah Waizy, Sprunggelenkspezialist aus Hannover. 

Zu Beginn des Experten-Talks präsentiert Prof. Waizy ein Fallbeispiel: Ein 42-jähriger, gesunder und sportlich aktiver Patient mit einer frischen Achillessehnenruptur (ASR) stellt sich in der Klinik vor. Worauf kommt es jetzt an? Alle drei Fachleute sind sich einig: Eine frühe Diagnosestellung und Behandlung sind extrem wichtig und die Grundlage für ein gutes Behandlungsergebnis.

Dr. Schwagten beschreibt das optimale Szenario und Vorgehen: Der Patient erscheint nach dem Trauma (idealerweise ohne Zeitverlust) in der Notaufnahme. Dort wird der Fuß nach der Diagnosestellung sofort in Spitzfußstellung stabilisiert, z.B. mit einem Gips. Nach ein bis zwei Wochen wird der Fuß dann am besten mit einer funktionellen ROM-Orthese versorgt, zum Beispiel dem VACOped. Dieser wird für etwa acht Wochen getragen, der Patient kann hierbei schon den Fuß belasten.

Abb.: Die Teilnehmer der Expertenrunde von links nach rechts: Dr. Karolien Schwagten aus Belgen, Phil Ellison aus UK und Prof. Dr. med. Hazibullah Waizy aus Deutschland.

Konservativ oder operativ?

Auch Phil Ellison bevorzugt in den meisten Fällen eine konservative und nicht-operative Behandlung von ASR, was auch den Vorgaben des britischen National Health Service (NHS) entspricht. Er weist jedoch darauf hin, dass die in UK definierte Akutphase von zwei Wochen problematisch sein kann. Manche Patienten suchen nämlich zunächst keine Arztpraxis auf und belasten den verletzten Fuß auf kontraproduktive Weise. Dies kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass ein operativer Eingriff unvermeidlich wird. Daher ist es so wichtig, dass Verletzte so schnell wie möglich in die Praxis oder Klinik kommen.

Die operative Versorgung – vorzugsweise minimalinvasiv – ist bei sportlich sehr aktiven Personen oder bei komplizierteren Rupturen nach wie vor Standard. Der Vorteil dabei ist laut Prof. Waizy darin, dass die Sehnenenden zusammengefügt werden können. Allerdings scheint dies im Allgemeinen die Heilung nicht wesentlich zu beschleunigen, so die Expertenrunde.  Bei der klassischen offenen Operationstechnik müssen auch die Risiken, wie potenzielle Infektionen und Wundheilungsstörungen, einkalkuliert werden. Bei der minimalinvasiven Technik, wie sie Prof. Waizy favorisiert, sind die Risiken deutlich geringer. Die neuesten Studien zeigen hier einen deutlichen Vorteil. Bei der minimalinvasiven Technik ist neben dem geringen Wundheilungsstörungsrisiko die geringe Rerupturrate als positiv anzusehen.

Dennoch ist die konservative Behandlung weiterhin ein wichtiger Bestandteil, da bereits am Tag 1 mit der Behandlung begonnen werden kann und keine wertvolle Zeit durch das Warten auf einen OP-Termin verloren geht.

Bedeutung der funktionellen Nachbehandlung

Es herrscht großer Konsens darüber, dass die funktionelle Nachbehandlung den größten Einfluss auf das Endergebnis hat – sogar mehr noch als die Entscheidung zwischen Operation und konservativer Behandlung. Es ist essenziel wichtig, die Sehnenenden zusammen zu bringen (operativ oder konservativ), um dann mit der funktionellen Behandlung beginnen zu können.

In diesem Kontext versteht man unter funktioneller Behandlung eine frühzeitige Belastung in geschützter Position, ein stufenweises Erweitern der Beweglichkeit sowie eine gezielte Kräftigung des Wadenmuskels und der Sehne. Werden diese Prinzipien bei der Nachbehandlung konsequent umgesetzt, können Rerupturraten auf nur 1-2% Prozent reduziert werden.

Die Rehabilitationsprotokolle sind für operativ und konservativ behandelte Patienten im Übrigen nahezu identisch. In der Regel dauert die Nachbehandlung in beiden Fällen etwa 10 Wochen.

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Zu guter Letzt

Die Expertenrunde ist des Weiteren davon überzeugt, dass der Erfolg einer ASR-Behandlung nicht von einer einzelnen Maßnahme, sondern vom Zusammenspiel verschiedener Faktoren abhängt, die da sind:

  • Präzise Diagnose
  • Individuell angepasste Behandlungsentscheidung
  • Konsequente Umsetzung eines funktionellen Rehabilitationsplans
  • Aktive Mitarbeit der Patientinnen und Patienten.

Diese Grundprinzipien gelten unabhängig von Alter, Aktivitätsniveau oder gewählter Primärtherapie.

Wir bedanken uns herzlich bei Dr. Karolien Schwagten, Phil Ellis und Prof. Dr. Waizy für ihre Zeit und Unterstützung!

Das komplette Round-Table-Gespräch in englischer Sprache können Sie hier ansehen.

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