Kontrollierte Belastungssteigerung an der Achillessehne mit VACOped möglich
17. Aug, 2026
Das erfahren Sie in diesem Beitrag
- Kann durch eine schrittweise Bewegungsfreigabe von 0°, 15° und 30° die Achillessehne beim Gehen kontrolliert belastet werden?
- Wie wirkt sich die zunehmende Bewegungsfreigabe auf den Gang aus?
Nach einer Achillessehnenruptur wird das Sprunggelenk zunächst in Plantarflexion (Spitzfußstellung) ruhiggestellt. Im weiteren Verlauf wird mithilfe einer beweglichen Orthese, z.B. VACOped, der Bewegungsumfang (Range of Motion, ROM) schrittweise wieder freigegeben. So soll die Sehne während des Heilungsprozesses geschützt und zugleich kontrolliert wieder belastet und gedehnt werden. Offen war bislang, wie die eingestellte ROM die Achillessehne beim Gehen tatsächlich belastet bzw. dehnt wird. Genau dies haben Stolycia et al.1 an acht gesunden Erwachsenen untersucht. Die Ergebnisse liefern einen ersten biomechanischen Hinweis darauf, ob sich die Dehnung der Achillessehne mithilfe einer ROM-Orthese messbar und stufenweise steuern lässt.
Achillessehnendehnung unter verschiedenen Testbedingungen
Die Studie untersuchte acht gesunde Erwachsene (drei Männer, fünf Frauen; mittleres Alter 23 ± 2 Jahre). Sie trugen am rechten Bein eine ROM-Orthese (VACOped) und hatten die Aufgabe, auf einem Laufband mit eingebauten Kraftsensoren zu gehen. Mittels einer 3D-Bewegungsanalyse und einer dynamischen Ultraschalluntersuchung wurde die Funktion des Muskel-Sehnen-Komplexes erfasst und mittels inverser Dynamik bestimmt.
Verglichen wurden drei Ortheseneinstellungen mit 30°, 15-30° und 0-30° Plantarflexion sowie das Gehen in den eigenen Sportschuhen. Die Bedingungen entsprachen typischen Stufen der ATR-Rehabilitation. Dabei wurde gemäß der Gebrauchsanweisung unterschiedliche Sohlen und ein Höhenausgleich (EVENup, OPED GmbH) eingesetzt. Nach fünf Minuten Gehen wurden pro Person und Bedingung fünf Gangzyklen in selbstgewählter Geschwindigkeit ausgewertet. Im Mittelpunkt stand die Dehnung der Achillessehne.
Tabelle: Übersicht der vier Testbedingungen: VACOped mit unterschiedlichen ROM-Einstellungen und Sohlen am rechten Bein sowie Sportschuh mit oder ohne Höhenausgleich (EVENup) am linken Bein.
Ergebnisse
Dehnung der Achillessehne
Die Dehnung der Achillessehne nahm mit zunehmender Bewegungsfreigabe zu:
- Bei 30° Plantarflexion (ohne Bewegungsumfang) war die Dehnung der Achillessehne gegenüber dem normalen Schuhwerk um 65 % geringer – der Unterschied war statistisch signifikant (p = 0,012).
- Bei 15-30° Plantarflexion (15° Bewegungsumfang) war sie um 40 % geringer – ebenfalls statistisch signifikant (p = 0,012).
- Bei 0-30° Plantarflexion (30° Bewegungsumfang) betrug der Unterschied 18 %, war aber statistisch nicht signifikant (p = 0,069).
- Die Steigerung der Achillessehnen-Dehnung korrelierte zudem stark mit der Freigabe des Bewegungsumfanges (r = 0,88, p < 0,001)
Abbildung: Boxplots zeigen die Achillessehnendehnung in Abhängigkeit von der Ortheseneinstellung.1
Bewegungsumfang
- Der gemessene Bewegungsumfang des Sprunggelenks während des Gehens nahm mit der Freigabe zu, blieb u.a. aufgrund der Einschränkung in der Dorsalextension gegenüber dem normalen Schuhwerk um 43 % bis 85 % reduziert.
- Bei den acht Teilnehmenden wurde die freigegebene ROM unter den ROM-15- und ROM-30-Bedingungen im Median nicht vollständig ausgeschöpft: Der mediane gemessene Bewegungsumfang lag bei etwa 8° beziehungsweise 14°.
- Zwischen Bewegungsumfang und Dehnung der Achillessehne bestand ein sehr starker Zusammenhang (r = 0,88; p < 0,001).
Mechanische Arbeit des Sprunggelenks und Gehgeschwindigkeit
- Mit zunehmender Freigabe normalisierte sich der Gang, indem der relative Beitrag des Sprunggelenks an der gesamten mechanischen Arbeit anstieg und sich die Gehgeschwindigkeit erhöhte. Letztere blieb gegenüber dem normalen Schuhwerk jedoch um 10 % bis 22 % geringer.
Schlussfolgerungen
Dehnung der Achillessehne:
Die Studie zeigt bei gesunden Erwachsenen, dass eine zunehmende Bewegungsfreigabe der ROM-Orthese beim Gehen mit einer stärkeren Dehnung der Achillessehne und damit einer kontrolliert gesteigerten Belastung einhergeht. Dieser Zusammenhang könnte für die Verbesserung der Sehnenheilung während der Rehabilitation nach einer Achillessehnenruptur klinisch relevant sein.
Beitrag des Sprunggelenks:
Zudem erhöhte eine größere Bewegungsfreigabe den Beitrag des Sprunggelenks zur gesamten mechanischen Arbeit und führte dadurch zu einer höheren Gehgeschwindigkeit.
Fazit
Die Studie ist trotz der kleinen Stichprobe interessant, weil sie erstmals einen direkten Zusammenhang zwischen ROM-Einstellung und Achillessehnen-Dehnung beim Gehen zeigt. Damit liefert sie einen ersten biomechanischen Beleg dafür, dass sich die Sehnenbelastung mit einer verstellbaren ROM-Orthese stufenweise beeinflussen lässt.
Ob sich daraus eine bessere Sehnenheilung oder Funktion nach ATR ergibt, müssen Studien an Patientinnen und Patienten zeigen.
Quellenangaben und Bildrechte
1 Stolycia ML et al. Achilles' tendon stretch during walking in hinged controlled ankle motion boots. Journal of Biomechanics 195 (2026), DOI: 10.1016/j.jbiomech.2025.113118
Hinweis: Das PhD-Projekt, aus dem diese Studie resultiert, wird durch OPED gefördert.
Bildnachweise:
Abbildung 1, Boxplott: Verwendung (Ausschnitt) aus der Originalpublikation von Stolycia et al., lizenziert unter Deed - Attribution 4.0 International - Creative Commons
Abbildung Goniometer im Header: lizenziert bei Shutterstock @ edwardolive
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