Erfolgreicher Fußball beginnt lange vor dem Anpfiff: Interview mit HSV-Arzt Prof. Welsch
02. Jun, 2026
Hinter der starken Leistung eines Bundesligavereins steht immer auch ein hochqualifiziertes sportmedizinisches Expertenteam. Es sorgt nicht nur für Gesundheit, Fitness und Regeneration der Mannschaft, sondern spielt auch bei Spielertransfers eine entscheidende Rolle – etwa durch umfassende Leistungs- und Gesundheitschecks. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie hier in unserem Interview mit Prof. Dr. Götz Welsch, dem leitenden Mannschaftsarzt des HSV.
Ein perfekter Spielertransfer ist kein Zufall
Ob sich eine Spielerin oder ein Spieler für einen Verein eignet, sollte möglichst schon vor der Verpflichtung feststehen. Dafür werden die potenziellen Kandidatinnen oder Kandidaten von einem ärztlichen Team des interessierten Vereins genauestens untersucht, um festzustellen, ob sie über die notwendige Fitness verfügen und möglichst wenig verletzungsanfällig sind.
Beim HSV übernimmt diese anspruchsvolle Aufgabe Prof. Welsch, der vor einer Neuverpflichtung umfangreiche medizinische und sportwissenschaftliche Tests durchführt. Da Vereine hohe Summen in Transfers investieren, ist es entsprechend wichtig, möglichst zuverlässig einschätzen zu können, ob ein eventueller Neuzugang langfristig belastbar ist und sein Leistungspotenzial ausschöpfen kann.
Prof. Welsch beschreibt diese Aufgabe als eine Art Blick in die Zukunft:
„Wir versuchen, so viele Risikofaktoren wie möglich früh zu erkennen – auch wenn wir natürlich keine Verletzungen sicher vorhersagen können.“
Dabei spielt vor allem die Verletzungshistorie eine entscheidende Rolle. Sie gilt als wichtigster Hinweis darauf, ob ein Spieler oder eine Spielerin künftig häufiger ausfallen könnte. Deshalb werden nicht nur MRTs, Kraft- und Leistungstests durchgeführt, sondern es werden auch Trainingsdaten und Einsatzzeiten analysiert. Hierbei arbeitet, so Prof. Welsch, ein ganzes interdisziplinäres sportmedizinisches Team zusammen, das von der Sportmedizin über Orthopädie und Kardiologie bis hin zur Leistungsdiagnostik reicht.
„Der Hauptprädiktor sind die Vorverletzungen. Wenn jemand in der Vergangenheit immer wieder verletzt war, ist das Risiko für erneute Verletzungen einfach sehr hoch.“
Außerdem ist es wichtig zu wissen, wie oft in der Vergangenheit trainiert wurde und wie viel Spielpraxis vorhanden ist. Auf Basis dieser Daten kann man dann, so Prof. Welsch, in Verbindung mit den Untersuchungsergebnissen eine gute Entscheidung treffen.
Abb.: Um das Video anzusehen, klicken Sie auf "Go to Youtube". Das Video-Interview mit Prof. Dr. Götz Welsch wurde von Mike Weiß geführt.
Gesundheit als Erfolgsfaktor
Doch Prof. Welsch ist nicht nur an der Verpflichtung von Neuzugängen beteiligt. Seine Hauptaufgabe ist die kontinuierliche Betreuung der gesamten Mannschaft. Dazu gehören eine individuelle Trainingssteuerung, eine schnelle und professionelle Behandlung von Verletzungen sowie eine gezielte Prävention.
Auch die Ernährung spielt im Spitzensport heute eine deutlich größere Rolle als noch vor einigen Jahren. Inzwischen bietet der HSV bietet seinen Spielerinnen und Spielern individuelles Ernährungs-Coaching und Kochkurse an. Prof. Welsch:
„Das Thema gesunde Ernährung gehört heutzutage dazu, auch wenn der Erfolg letztendlich immer davon abhängt, inwieweit die Empfehlungen umgesetzt werden.“
Das Fazit?
Optimale Spielertransfers und Spitzenleistungen sind kein Zufall. Sie sind das Ergebnis der Arbeit vieler Menschen und Disziplinen, die täglich im Hintergrund dafür sorgen, Risiken zu minimieren und Spielerinnen und Spieler gesund und leistungsfähig zu halten.
Über Prof. Dr. med. Götz Welsch
Prof. Dr. med. Götz Welsch ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Schwerpunkt Sportmedizin. Seit 2021 hat er eine Professur für Orthopädische Sportmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) inne und ist zudem Klinikdirektor des Athleticum am Volkspark, einem Zentrum für Sport-, Bewegungs- und Präventionsmedizin in Hamburg. Bereits seit 2014 betreut er als leitender Mannschaftsarzt die Fußballteams des HSV – von den Herren- und Frauenmannschaften bis hin zum Nachwuchsleistungszentrum. Zuvor war er Mannschaftsarzt bei Greuther Fürth.
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