Dr. Micha Hoyer im Interview: Sprunggelenk früh mobilisieren statt nur ruhigstellen
14. Apr, 2026Beim Symposium „Sport & Medizin 2025“ an der Ostsee stand unter anderem auch das Sprunggelenk im Fokus. Es ist für jede Form der Fortbewegung des Menschen von zentraler Bedeutung, insbesondere natürlich im Sport. Was bei der Behandlung des Sprunggelenks zu beachten ist, war Gegenstand eines Interviews mit Dr. Micha Hoyer, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Das Interview wurde von Michael Silbernagl geführt.
Dr. Hoyer erklärt gleich zu Beginn des Interviews, dass ein funktionierendes Sprunggelenk einerseits die Voraussetzung für sportliche Aktivitäten ist, dass das Gelenk aber gleichzeitig, aufgrund der vergleichsweise geringen muskulären Führung, besonders verletzungsanfällig ist. Daher gehören vor allem im Leistungs- und Spitzensport Verletzungen wie Sprunggelenksfrakturen, Bänderrisse oder Probleme mit der Achillessehne zu den häufigsten Ausfallursachen.
"Im Gegensatz zu anderen Verletzungen ist es ohne ein funktionierendes Sprunggelenk nahezu unmöglich, Sport zu treiben."
Laut Dr. Hoyer ist ein wesentlicher Grund für lange Ausfallzeiten die klassische Nachbehandlung mit längerer Ruhigstellung. Diese führt häufig zu Muskelabbau und eingeschränkter Beweglichkeit. Das kann die Rückkehr in den Sport deutlich verzögern und erschweren. Ziel muss es daher sein, neue Konzepte zu etablieren, die eine frühere Belastung ermöglichen.
Ist die klassische, lange Ruhigstellung überhaupt noch zeitgemäß?
Im Bereich des Sprunggelenks gibt es noch einen deutlichen Nachholbedarf im Vergleich zur Behandlung anderer Gelenke, so Dr. Hoyer. Während Knie- oder Schulterverletzungen längst frühfunktionell behandelt werden und Patientinnen und Patienten schnell wieder mobilisiert werden, dominieren am Fuß noch häufig konservative Ansätze mit längerer Immobilisation.
"Sechs Wochen Ruhigstellung sind für sportlich aktive Menschen eigentlich nicht mehr zeitgemäß."
Dr. Hoyer betont, dass komplexe Verletzungen zwar weiterhin eine ausreichende, klassische Ruhigstellung erfordern, dies aber nicht für Standardverletzungen gelten sollte. Bandverletzungen, einfache Frakturen oder auch Achillessehnenrupturen können mit modernen Verfahren deutlich früher mobilisiert werden. Eine pauschale Ruhigstellung über mehrere Wochen führt hingegen dazu, dass Muskulatur und Beweglichkeit nahezu vollständig verloren gehen und mühsam wieder aufgebaut werden müssen.
Diese „alte Schule“ ist für wenig aktive Menschen oft noch praktikabel. Wer jedoch sportlich aktiv ist, hat deutlich höhere Anforderungen und profitiert von dynamischeren Therapiekonzepten.
Abb.: Klicken Sie auf "Go to Youtube" um zu Youtube zu wechseln. Das Video-Interview mit Dr. Micha Hoyer wurde von Michal Silbernagl geführt.
Vorteile frühfunktioneller Therapie – auch jenseits des Leistungssports
Laut Dr. Hoyer beschränken sich die Vorteile einer frühfunktionellen Behandlung nicht auf den Spitzensport. Zwar profitieren insbesondere Leistungssportler besonders stark davon, doch auch für Berufstätige und Freizeitsportler wird eine schnellere Rehabilitation immer wichtiger. Nach einer Achillessehnenruptur kann eine klassische Behandlung mehrere Monate Arbeitsausfall bedeuten. Das ist eine Belastung, die sich heute viele Menschen kaum noch leisten können.
Entscheidend ist daher, Patientinnen und Patienten möglichst früh wieder in Bewegung zu bringen, damit sie Alltag, Beruf und sportliche Aktivitäten schneller wieder aufnehmen zu können. Moderne Therapiekonzepte bieten hierfür bereits gute Voraussetzungen, werden jedoch noch nicht konsequent genug eingesetzt.
Coming soon: Das nächste Fuß-Symposium am Tegernsee!
Haben Sie Interesse an einem noch tiefergehenden Austausch zum Thema Fußverletzungen? Dann kommen Sie zum nächsten Symposium „Sport & Fuß 2026“!
Wissenschaftliche Leitung: Dr. med. Micha Hoyer - Dr. med. Sebastian Altenberger - Dr. med. Eva-Maria Arlt
Es findet vom 23.–25.04.2026 am Tegernsee statt und legt den Fokus auf Fußverletzungen und therapeutische Innovationen. Weitere Informationen finden Sie hier.
Hier geht’s direkt zur Anmeldung zum Symposium „Sport & Fuß“ vom 23. bis 25.04.2026 am Tegernsee
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