Heimtherapie mit IIK plus Kompressionsstrümpfen – wirksam bei chronischer venöser Insuffizienz?
24. Aug, 2025
Schon seit Längerem konnte in Studien gezeigt werden, dass die regelmäßige Anwendung von Intermittierender Impulskompression (IIK) zu Hause und das gleichzeitige Tragen herkömmlicher Kompressionsstrümpfe bei Patientinnen und Patienten mit chronischer Veneninsuffizienz (CVI) zu einer deutlichen Verbesserung der Ejektionsfraktionswerte führen kann. In der vorliegenden prospektiven Kohortenstudie (1) wurde untersucht, ob diese Kombinationstherapie zu Hause andere hämodynamische und auch klinische Parameter positiv beeinflussen kann.
Was Sie in diesem Beitrag erfahren
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Wie genau sah die kombinierte Heimtherapie mit IIK und Kompressionsstrümpfen aus?
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Welchen Einfluss hatte sie auf hämodynamische und klinische Werte von Menschen mit CVI?
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Welche positiven Effekte waren in der klinischen Symptomatik zu verzeichnen?
Aufbau und Ziel der Studie
Es wurden neun Patientinnen und Patienten im Durchschnittsalter von 47,5 Jahren mit einer dokumentierten chronischen Veneninsuffizienz der Schweregrade 4 bis 5 (CEAP-Klassifikation) eingeschlossen. Alle hatten seit mindestens drei Monaten Kompressionsstrümpfe getragen. Insgesamt wurden zwölf Extremitäten untersucht, da in manchen Fällen beide Beine betroffen waren. Alle Testpersonen wurden angehalten, die Kompressionsstrümpfe tagsüber zu tragen und das IIK-Gerät* mit Fußpad täglich für zwei Stunden anzuwenden (drei Kompressionszyklen pro Minute mit einem Druck von 120 mmHg).
Die subjektive Wirkung der Therapie wurde mithilfe eines klinischen Fragebogens vor Beginn der Behandlung sowie nach 1, 2 und 3 Monaten erfasst. Zusätzlich erfolgte zu denselben Zeitpunkten eine objektive Messung der venösen Funktion mittels Luftplethysmographie. Dabei wurden Parameter wie das venöse Volumen, der venöse Füllungsindex, die Ejektionsfraktion und insbesondere der Residualvolumenanteil erfasst. Diese Messwerte erlauben Rückschlüsse auf die Effizienz des venösen Abflusses und die Funktion der Muskelpumpe.
Ergebnisse: Positive Effekte in klinischer Symptomatik und in venösen Messwerten
Die Auswertung des klinischen Fragebogens ergab, dass das IIK-Gerät während der dreimonatigen Testphase durchschnittlich 2,5 Stunden an 5,5 Tagen pro Woche angewendet worden war. Die Patientinnen und Patienten berichteten über eine signifikante Reduktion der Schwellungen und Schmerzen über die gesamte Studienphase hinweg. Außerdem war ihr Aktivitätslevel gestiegen, was sich in einer signifikanten Verbesserung des Aktivitäts-Scores im zweiten Monat widerspiegelte (p<0,05). In der Gesamtauswertung des klinischen Fragebogens sank der individuelle Severity-Score von 21,5 vor der Therapie auf 14,4 (p=0,001) nach drei Monaten Therapie.,
Die plethysmographischen Messungen zeigten eine Verringerung des venösen Volumens und einen signifikanten Rückgang der Residualvolumenfraktion. Letztere konnte von einem initial überdurchschnittlichen Wert auf nahezu normale Werte gesenkt werden. Die Ejektionsfraktion und der venöse Füllungsindex blieben im Vergleich zur Ausgangssituation weitgehend unverändert oder zeigten nur geringe Verbesserungen. Dies deutet darauf hin, dass der Hauptvorteil der kombinierten Therapie in der Förderung der venösen Entleerung liegt. Zusätzlich wurde die gute Verträglichkeit des IIK-Gerätes bestätigt, denn lediglich zwei Personen gaben diesbezüglich Feedback (einmal wurde über verstärktes Schwitzen und einmal über ein leichtes Taubheitsgefühl berichtet). Dies führte aber in keinem Fall zum Abbruch der Therapie.
Tab.: Plethysmographische Ergebnisse nach kombinierter Behandlung mit IIK und Kompressionsstrümpfen. Bei der Residualvolumenfraktion waren die Verbesserungen signifikant (* p<0,05).
Fazit
- Die Studie legt nahe, dass die Kombination von herkömmlichen Kompressionsstrümpfen mit der zusätzlichen Anwendung eines IIK-Gerätes zu einer signifikanten Verbesserung der venösen Hämodynamik bei Personen mit schwerer chronischer venöser Insuffizienz führt.
- Die signifikante Reduktion der Residualvolumenfraktion deutet darauf hin, dass durch die gezielte IIK eine effektivere venöse Entleerung erzielt werden kann, wodurch sich wiederum Symptome wie Schwellungen und Schmerzen verbessern.
- Die positiven Therapieeffekte konnten sowohl subjektiv über klinische Fragebögen als auch objektiv mittels Plethysmographie nachgewiesen werden.
- Auch wenn die Aussagekraft der Studie aufgrund der geringen Anzahl an Patientinnen und Patienten sowie des Fehlens einer Vergleichsgruppe eingeschränkt ist, liefert sie dennoch wichtige Ansätze für die Weiterentwicklung ambulanter, patientenfreundlicher Therapiekonzepte bei chronischer venöser Insuffizienz.
(1) Arcelus JI, Caprini JA, Sehgal LR & Reyna JJ. Home use of impulse compression of the foot and compression stockings in the treatment of chronic venous insufficiency. J Vasc Surg 2001;34:805-11. DOI: 10.1067/mva.2001.119504
* In dieser Studie kam das Gerät ActOne (New Dimensions in Medicine, Inc.) zum Einsatz, das wie VADOplex auf dem Prinzip der Intermittierenden Impulskompression beruht.
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