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Komplexe Sprunggelenksfrakturen können aufgrund von Schwellungen oft erst nach einer längeren Wartezeit operiert werden. Eine Studie zeigt, dass die Intermittierende Impulskompression (IIK) zu einer schnelleren Abschwellung und Operationsfähigkeit führen kann.

Mit IIK schnellere Abschwellung und OP-Fähigkeit

Komplexe Gelenkfrakturen der unteren Extremitäten gehen häufig mit einer posttraumatischen Weichteilschwellung einher, die verhindert, dass eine baldige Operation durchgeführt werden kann. Aber nicht nur die Verlängerung der präoperativen Liegedauer ist problematisch, es drohen auch teils schwere Komplikationen: Neben einem erhöhten Risiko für Wundinfektionen oder Kompartment-Syndrome, kann eine Schwellung im Gewebe starke Schmerzen und einen erhöhten Bedarf an Analgetika verursachen.

Die Studiengruppe um Prof. Dr. Marc Schnetzke hat in der vorliegenden Studie zwei verschiedene Maßnahmen zur Abschwellung verglichen: In der VIT-Gruppe (Interventionsgruppe) kam ein IPK-Gerät zum Einsatz, das auf der Intermittierenden Impulstechnologie (IIK/VIT) basiert, in der Kontrollgruppe wurde mit einer konventionellen Hochlagerung behandelt. Dabei war der primäre Endpunkt der Studie der Zeitraum zwischen Aufnahme in der Klinik und Operationsfähigkeit. Zum Vergleich: Bei der konventionellen Methode, der Hochlagerung, dauert es im Durchschnitt 10 Tage, bis die Schwellung so zurückgegangen ist, dass operiert werden kann.

Insgesamt 100 Patientinnen und Patienten wurden in die prospektive, randomisierte kontrollierte monozentrische Studie eingeschlossen. Die Probanden hatten entweder eine dislozierte Sprunggelenksfraktur (n=40), eine Pilonfraktur (n=20) oder eine intraartikuläre Fersenbeinfraktur (n=40) erlitten. Die Patienten wurden randomisiert im Verhältnis 1:1 entweder der VIT-Gruppe oder der Kontrollgruppe zugeteilt.

Die VIT-Gruppe wurde mit dem IPK-Gerät VADOplex des Herstellers OPED GmbH behandelt, welches auf der Intermittierenden Impulstechnologie (IIK) beruht, jedoch wurde in der Publikation mit „VIT“ (VADOplex Vascular Impulse Technology) das Wording des Herstellers verwendet. Die Anwendung erfolgte am Fuß. Das Wirkprinzip: Mit Hilfe eines schnellen Kompressionsimpulses wird ein Pad (Luftkissen) in weniger als 0,4 Sekunden auf einen Druck von 130 mmHg aufgeblasen, für 1 Sekunde gehalten und anschließend wieder entleert. Dabei wird der Venenplexus an der Fußsohle stimuliert und der venöse Rückfluss verbessert. Der Kompressionsimpuls erfolgt in einem Intervall von 20 Sekunden. Das verletzte Bein der Probanden dieser Gruppe wurde nicht hochgelagert.

In der Kontrollgruppe wurde das betroffene Bein konventionell mit Hilfe eines Lagerungskissens hochgelegt.

Beide Gruppen hatten die Anweisung, die Behandlung kontinuierlich über den ganzen Tag hinweg fortzuführen, jedoch mind. 6-8 Stunden. Ansonsten wurden keine weiteren Maßnahmen ergriffen.

Exkurs: Konventionelle Hochlagerung, IPK, IIK – What’s the difference?

Die konventionelle Methode, um eine Abschwellung einer posttraumatischen Schwellung herbeizuführen, ist die Hochlagerung der betroffenen Extremität. Sie führt meist zu einem ausreichenden Rückgang der Schwellung, sodass eine Operation nach durchschnittlich 10 Tagen möglich ist.

Bei der sog. Intermittierenden Pneumatischen Kompression (IPK, engl. IPC) handelt es sich um eine bewährte Form der Kompressionstherapie. Hierbei wird mit Hilfe von Luft in bestimmten Intervallen Druck erzeugt, wodurch der venöse/lymphatische Rückfluss stimuliert wird und es zu einer Abschwellung kommt. Es handelt sich in der Regel um Ein- oder Mehrstufen-Systeme mit Bein- oder Armmanschetten, deren Kammern über eine elektronisch gesteuerte Pumpe aufgeblasen werden und so ein Druck von distal nach proximal entsteht.

Die Intermittierende Impulskompression (IIK, engl. IIC) wiederum ist eine Weiterentwicklung der intermittierenden pneumatischen Kompression (IPK). Mit dem schnelleren Impulsaufbau macht sich die IIK die Grundprinzipien der menschlichen Physiologie zunutze und erweitert damit den klinischen Anwendungsbereich im Vergleich zur IPK. Diese physiologischen Zusammenhänge wurden durch die britischen Ärzte A. M. N. Gardner und R. H. Fox nachgewiesen und in ihrem Standardwerk „The Venous System in Health and Disease“* beschrieben. Beide Mediziner gelten als Erfinder der IIK und haben deren klinische Anwendung maßgeblich vorangetrieben. Das Gerät VADOplex, das in der vorliegenden Studie verwendet wurde, basiert auf dieser Intermittierenden Impulskompression (IIK).

                                            *Gardner, A. M. N., Fox, R. H. (2001). The Venous System in Health and Disease (3. Aufl.). IOS Press

Ergebnisse

Die durchschnittliche Wartezeit bis zur Operationsfähigkeit war der primäre Endpunkt der Studie. Die Wartezeit in der gesamten VIT-Gruppe (alle Frakturen) betrug 8,2 Tage im Vergleich zu 10,2 Tagen in der Kontrollgruppe, wo die Schwellungen lediglich mit Hochlagerung des Beines behandelt wurden. Somit war die Wartezeit in der VIT-Gruppe um zwei Tage kürzer als in der Kontrollgruppe.

Eine Analyse der Subgruppen ergab, dass in zwei der drei Untergruppen eine signifikante Verkürzung der Wartezeit festzustellen war:

  • Sprunggelenkfrakturen: 8,6 Tage in der VIT-Gruppe vs. 10,6 Tage in der Kontrollgruppe (signifikant)
  • Fersenbeinfrakturen: 7,0 Tage in der VIT-Gruppe vs. 8,4 Tage in der Kontrollgruppe (signifikant)
  • Pilonfrakturen: 9,8 Tage in der VIT-Gruppe vs. 12,5 in der Kontrollgruppe

In der VIT-Gruppe war der Krankenhausaufenthalt im Durchschnitt kürzer, ebenso waren die Schmerzen und der Bedarf an Betäubungsmitteln geringer als in der Kontrollgruppe.

Es konnte in der VIT-Gruppe auch eine Reduzierung der Schwellungen, eine niedrigere Anzahl an Revisionsoperationen und ein Trend zu weniger Komplikationen verzeichnet werden.

Grafik VIT-Studie- Reduzierte Wartezeit

Take-home message

Im Vergleich zur konventionellen Hochlagerung führt die Therapie mit der Intermittierenden Impulskompression (IIK) zu einer schnelleren Operationsfähigkeit und zu einer Reduzierung von Schmerzen, weichteilbedingten Revisionsraten und Schwellungen.

Die Intermittierende Impulskompression (IIK) ist eine komplikationsarme, nützliche Ergänzung zur Weichteilkonditionierung bei komplexen Frakturen der unteren Gliedmaßen, wenn sie mindestens sechs bis acht Stunden pro Tag angewendet wird.

Studienzusammenfassung basierend auf:

Vascular impulse technology versus elevation for the reduction of swelling of lower extremity joint fractures: results of a prospective randomized controlled study

Marc Schnetzke, Jan El Barbari, Svenja Schüler, Benedict Swartman, Holger Keil, Sven Vetter, Paul Alfred Gruetzner, Jochen Franke

The Bone & Joint Journal, Vol. 103-B, No. 4, published online: 1 Apr 2021